Debora Vichel, Studentin der sozialen Arbeit im dritten Semster an der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften der HTWK, hat 2016 ein spannendes Auslandspraktikum in Indien gemacht. Hier beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Faszinierende Tempel, quietschbunte Märkte, atemraubende Räucherwerke, einen ständig begleitende Götter … ein Land des Gegensatzes zwischen Tradition und Moderne …Indien!

Text & Bilder von Debora Vichel

Das Leben in Indien ist ausgefüllt von Religion und alles hat eine Bedeutung mit (mehr oder weniger) Sinn. Religiöses und kulturelles, wie auch alltägliches Leben durfte ich während meines Auslandspraktikums Ende 2016 erleben. Dabei erfuhr ich unglaubliche Aufgeschlossenheit der Indern/innen. Und so wurde ich oft zu traditionellen Festen, Hochzeiten und Geburtstagen mit viel  Essen (kein KFC oder McDonalds könnte es jemals ersetzt!) eingeladen. Von der für die Einwohner selbstverständlichen Gastfreundschaft können sich so manche Deutschen eine Scheibe abschneiden, denn als Besucher gilt man als Segen für das gesamte Haus und wird auch stets daran erinnert (ob man will oder nicht).

Gleichzeitig ist Indien ein sehr kinderreiches Land, in dem etwa 40% der Einwohner unter 15 Jahre alt sind.

Dazu kommt leider, dass der vermeintliche Segen, den die Söhne und Töchter der Familie bringen darin besteht, möglichst früh Geld zu verdienen um die Angehörigen durchzubringen. Hinzu kommt, dass ein Großteil der ungebildeten Eltern nicht bei den Schularbeiten helfen können und somit schlechte schulische Leistungen die Folge sind. In Zukunft würden die Heranwachsenden ebenfalls nicht in der Lage sein, ihrem Nachwuchs die benötigte Bildung, Förderung und sogar Nahrung zu gewährleisten.

Im Zuge meines Praktikums im Umfeld der Kleinstadt Mamallapuram in Südindien arbeitete ich mit dem Ziel diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen. Nach dem Schulunterricht bot meine Organisation Malar Trust India in neun verschiedenen Dörfern Hausaufgabenhilfe und bildungsfördernde Freizeitgestaltung an. Um den Kindern, die meist aus niedergelassenen Stammesvölkern kommen, schon vom Kleinkinderalter an ein kindgerechtes Umfeld, nahrhafte Ernährung und Förderung sozialer Kompetenzen zu bieten, entstanden neben den Bildungszentren Kindergärten. Auch in diesen habe ich täglich mein Bestes gegeben, gespielt, gemalt, unterrichtet und Bildungsangebote durchgeführt.

Diese Erfahrung hat meinen Horizont mal in eine ganz andere Richtung erweitert und mich an meine (nicht nur sprachlichen) Grenzen geführt. Meine Sicht auf die deutsche Kultur konnte bzw. müsste in vielen Bereichen überdenken und ich habe viele neue Erfahrungen in der Praxis pädagogischer Kinder- und Jugendarbeit gesammelt.

Ich bin sehr froh über die Unterstützung, die ich von der HTWK und dem Förderverein erhalten habe, dadurch konnte ich auch finanzielle Engpässe überwinden und mich voll und ganz auf meine Arbeit in Indien konzentrieren. Und das ist nicht nur so ein Spruch. Es wurden tatsächlich alle meine Wünsche und Ängste ernst genommen und eine  Förderung des Fördervereins hat mir finanziell geholfen.