Franziska Bühring studierte von 2004 bis 2008 Verlagsherstellung und ist seit 2010 bei der Walter De Gruyter GmbH in Berlin beschäftigt. Wichtig aus ihrer Sicht war: sich eine spannende Firma für das Praxissemester zu suchen. Sie berichtet im Interview über Vorbilder, die Herstellung von rein elektronischen Werken und den Wunsch zur Weiterentwicklung.

Franziska Bühring (Diplom Verlagsherstellung 2008), arbeitet seit 2010 bei der Walter De Gruyter GmbH in Berlin und ist aktuell verantwortlich für den Bereich „Production Standards and Solutions“ (Foto: Piet Truhlar)

An welche Situation, Person oder an welches Detail an der HTWK Leipzig können Sie sich gut erinnern und warum?
Bühring: Besonders beeindruckt haben mich die Vorlesungen bei Frau Prof. Herzau-Gerhardt. Zum einen vermittelte Sie Ihre Inhalte so gut und verständlich ohne dabei an Tiefe zu sparen, dass sich das Fachgebiet schließlich sogar zu meinem Diplomarbeitsthema bei ihr entwickelte. Zum anderen war Sie für mich ein Vorbild in ihrer Rolle als Frau in einem eher männer-dominierten Gebiet. Das motivierte mich umso mehr, meinen eigenen Weg zu gehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?
Bühring: De Gruyter ist ein Wissenschaftsverlag mit Hauptsitz in Berlin. Dort bin ich verantwortlich für den Bereich „Production Standards and Solutions“ als eines der sechs Teams der Gesamtherstellung. Wir sind drei Kollegen und unser Aufgabenbereich umfasst die zentrale Verwaltung von Produktionsstandards sowie die Steuerung und Einführung von herstellungsrelevanten Systemen. Wir setzen neue Anforderungen an unsere Produkte oder Prozesse in Form von Richtlinien oder kleineren Softwarelösungen um. Dabei versuchen wir möglichst standardisiert vorzugehen, d.h. wenig Unterschiede zwischen Buch- und Zeitschriftenpublikationen zu machen und nach Möglichkeit offene Standards einzusetzen.

An welchem Projekt arbeiten Sie zurzeit?
Bühring: Aktuell befinden wir uns gerade in der Pilotphase beim Einsatz eines „Online Proofing Systems“. Hier sollen Autoren ihre Inhalte mit Hilfe eines Online-Editors korrigieren und freigeben. Die Idee dahinter ist u.a., Korrekturgenauigkeiten zu erhöhen und bei der Umsetzung dieser Kosten zu sparen. Zusätzlich unterstützt es die Produktion von „online-only“-Produkten, bei der auf Satz und Druck generell verzichtet wird und somit der traditionelle Fahnen-/Korrekturlauf mit PDF nicht mehr möglich ist. Zudem ist diese Entwicklung ein logischer Schritt in Hinblick auf die zunehmende Digitalisierung von Prozessen und Inhalten. Ganz im Gegensatz zur konventionellen Korrektur der gestalteten, für den Druck optimierten PDF-Seite rückt diese Lösung Inhalte sowie deren Semantik und Struktur in den Vordergrund. Die anschließende Umsetzung als E-Book oder auch ganz klassisch als gedrucktes Produkt kann auf dieser Basis wesentlich effizienter gestaltet werden.

Wie sind Sie auf Ihren jetzigen Job aufmerksam geworden?
Bühring: In meiner vorigen Tätigkeit als Journal Production Editor bei De Gruyter habe ich mich bereits mit den eingesetzten Produktionssystemen befasst sowie deren Implementierung betreut. Daraus und im Rahmen einer Umstrukturierung hat sich dann mein neues Aufgabenfeld entwickelt. Darüber hinaus habe ich meinen Arbeitgeber erkennen lassen, dass ich mich beruflich weiterentwickeln möchte. Beides führte zu meiner jetzigen Position.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer jetzigen Tätigkeit?
Bühring: In meinem Job gibt es wenige Routine-Aufgaben, vielmehr geht es täglich darum Lösungen zu finden oder Prozesse zu optimieren. Dabei bin ich im engen Austausch mit den Teamleitern von Buch-/Zeitschriftenherstellung und Einkauf aber auch anderen Abteilungen des Hauses, wie IT oder Lektorat. Meine Aufgaben sind dadurch sehr vielseitig und motivieren durch die direkte Beteiligung an der Weiterentwicklung der Abteilung und des Unternehmens. Dadurch lerne ich fast täglich Neues und bin über technischen Entwicklungen der Branche informiert.

Welche Erfahrungen aus Ihrem Studium konnten Sie mit in Ihr Berufsleben nehmen?
Bühring: Ich habe gelernt, mich und meine Arbeit zu strukturieren und zu organisieren. In meinem Arbeitsalltag profitiere ich vor allem von meiner Fähigkeit, selbstständig an Problemstellungen zu arbeiten, Lösungen zu finden, diese zu bewerten und zu dokumentieren.

Welchen Ratschlag würden Sie Studierenden Ihres Faches aus heutiger Sicht geben?
Bühring: Ich finde es wichtig, sich vor allem mit Bedacht einen guten Praxispartner für das Praktikumssemester oder darüber hinaus auszusuchen, denn hier erlangt man wichtige Einblicke in den Berufsalltag. Je nach Ausrichtung des Unternehmens können so bestimmte Aufgaben und Prozesse betont oder auch relativiert werden, der Fokus entsprechend anders gelegt und neue Herausforderungen erkennbar werden.

Das Interview führte Stephan Thomas