Das HTWK-Orchester unterwegs beim Probewochenende 2017

Tag 1

Das HTWK Orchester auf Fahrt zum Probenwochenende – endlich ist es soweit. Ein ganzes Wochenende lang, vom 16. bis 18 Juni, wollen wir uns auf die kommenden Konzerte vorbereiten. Und dafür müssen wir mal raus aus Leipzig. Raus aus dem Alltag und zu 100 Prozent rein in die Musik.

Für mich ist es die erste Fahrt mit dem Orchester. Ich freue mich sehr auf diese drei Tage und bin doch irgendwie verwundert. Denn ich hatte schon viele Geschichten über das letzte Probewochenende gehört: Dass es schön war, dass es produktiv war, dass die Streicher das Fußballturnier gewonnen haben. Doch irgendwie hatten alle vergessen zu erwähnen, dass wir in einem Schloss wohnen! Ich kann meine Überraschung daher nicht zurückhalten, als ich unsere Unterkunft das erste Mal erblicke. Das ist sie also, die Jugendherberge im thüringischen Windischleuba: Ein Schloss mit engen Wendeltreppen und großen Probesäle – wie für uns geschaffen. Die Proben fangen auch gleich am Anreisetag an, denn wir haben einen straffen Zeitplan. Bis zu den Konzerten ist es nicht mehr lange und es gibt noch einige Passagen zu proben. Los geht’s!

Dirigent Manuel Durão und das HTWK Orchester konzentriert bei der Probe.

Auf unseren Notenständern versammeln sich Stücke verschiedenster Komponisten. Unter anderem stammen z.B. aus Russland die Steppenskizze und die 3. Sinfonie von Alexander Borodin. Die finde ich persönlich ziemlich schwierig. Außerdem spielen wir einen Star Trek-Medley, bei dem man sich komplett verausgaben kann. Mit Viva la Vida von Coldplay haben wir aber auch entspannte Stücke im Programm. Alles in allem sind die Stücke sehr vielfältig ausgewählt und so ist für jeden etwas dabei.

Tag 2

Hochmotiviert starten wir gleich morgens mit den Registerproben. Die Anstrengungen des gestrigen Tages sind meinen Bläserkollegen anzusehen. Auch meine Töne klingen erst ein wenig schief. Doch schon kurz nachdem wir alle eingespielt sind, meint unser Dirigent Manuel Durão, dass man den Unterschied zu gestern schon deutlich hört. Und er hat recht: Wir spielen wirklich besser!

Natürlich gibt es zwischendurch auch kreative Pausen, in denen ich einige Parallelen zwischen unserer Orchestergemeinschaft und der „wirklichen Welt“ beobachten kann. Nehmen wir zum Beispiel die Streicher. Sie spielen in jedem Stück eigentlich pausenlos, ihre Noten sind um Seiten länger als die der Bläser und sie funktionieren gemeinsam wie ein Uhrwerk. Ob das der Grund dafür ist, dass sie dieses Jahr das Fußballturnier erneut gewinnen? Darüber kann man nur spekulieren.

Ob Musik oder Fußball – Hauptsache spielen!

Oder auch die Trompeten. Sie sitzen den Großteil der meisten Stücke tatenlos herum, manchmal sind sie sogar gar nicht besetzt. Doch wenn sie dann spielen, dann fetzen sie uns ihre Soli um die Ohren, als ob sie die Könige des Orchesters wären. Und im „richtigen Leben“? Da sind die Trompeten wahre Genies, die uns spontan einen Eiswagen in den Hof des Schlosses schicken, damit sich jeder erfrischen kann. Danke!

Ob Zufall oder nicht – wichtig ist nur, dass jeder hier seine Rolle zu spielen hat. Das ist auch gut so, denn nur so kann Musik funktionieren. Das wichtigste Mitglied des Orchesters ist aber eindeutig Manuel, unser Dirigent. Ohne ihn würde hier Chaos entstehen, und allein seine blumigen Umschreibungen von Musik sind schon Grund genug, die Proben zu besuchen. Auch ihm möchte ich im Namen des Orchesters ein RIESIGES Dankeschön aussprechen!

Nach getaner Arbeit geht es dann endlich los mit der Abendgestaltung. Einige spielen Billard, andere verlieren beim Tischtennis gegen unsere zehnjährigen Mitbewohner. Kartenspiele wie Wizzard dürfen natürlich nicht fehlen. Es macht großen Spaß, die Leute kennenzulernen, mit denen man während des Semesters nicht so viel Kontakt hatte. Bei uns im Orchester wechselt ein Teil der Besetzung nämlich jedes Semester und so gibt es immer neue Gesichter in den Reihen zu entdecken. Die ca. 40 Mitglieder sind zudem bunt über jegliche Studienrichtungen verteilt. Hier sitzen zum Beispiel Medieninformatiker neben Museologen und Elektrotechniker neben Studierenden der Sozialen Arbeit. Aber auch Absolventen, die als Studenten in das Orchester kamen und es nach Beendigung des Studiums nicht mehr loslassen wollten, sind vertreten. Und natürlich öffnen wir darüber hinaus auch unsere Arme für andere Musiker, wie zum Beispiel ein paar Studenten der Universität Leipzig. Jeder ist hier willkommen.

Und so wird die Nacht immer länger und irgendwann geht auch der letzte von uns ins Bett… und ängstigt sich vor dem viel zu frühen Klingeln des Weckers…

Tag 3

In der letzten Probe gibt es nur noch Kleinigkeiten zu korrigieren. Der Bass darf nicht zu schnell spielen, die Streicher sollen in Takt 13 die Striche ändern und die Hörner müssen dringend ihr Solo üben. Ansonsten läuft es ziemlich gut und alle sind sich sicher, dass sie jetzt für die Konzerte gewappnet sind. Gratis dazu gibt es neue Bekanntschaften, gemeinsame Erfahrungen und das Gefühl, die eigene kreative Seite zum Klingen gebracht zu haben.

Die Abreise erfolgt gegen Mittag. Natürlich reisen wir schön studentisch: Mit dem Fahrrad zum Bahnhof und dann kostenlos mit der Bahn nach Leipzig (es lebe das Semesterticket!). Die vergangenen kurzen Nächte fordern ihren Tribut – ich freue mich schon auf mein Bett. Und auf die nächste Probe, die gleich schon am nächsten Tag stattfindet.

Neugierig? Wir spielen am 3. Juli um 19.30 Uhr gemeinsam mit dem HTWK-Chor in der Nathanaelkirche Lindenau und freuen uns über viel Publikum. Eintritt frei!

Text: Martin Horny, Hornist im HTWK-Orchester

Fotos: HTWK Orchester