Das Szenario:  ein Erdbeben. Menschen werden verschüttet. In einem Hohlraum sind sie von der Außenwelt abgeschnitten. Irgendwann krabbelt ein Hundertfüßer von der Größe einer Katze in den Hohlraum. Ein Albtraum? Nein, die Rettung.

Denn dieser Hundertfüßer ist kein Insekt, sondern ein ferngesteuerter Roboter, der wegen seiner vielen mechatronischen Beine „Hundertfüßer“ genannt wird. Dieser Roboter passt problemlos durch enge Spalten und Schächte, um beispielsweise zu Opfern solcher Naturkatastrophen zu gelangen. Er kann auch kleine Gegenstände transportieren und ist mit einer Kamera ausgestattet.

Erfunden hat ihn Willi Zschiebsch, Student an der Fakultät Maschinenbau und Energietechnik an der HTWK Leipzig. Ein Patent hat Willi bereits dafür angemeldet und der dritte Prototyp seines Katastrophenroboters ist in Planung. Die Idee zu dem Projekt kam ihm, als er 2011 die Nachricht von einem Grubenunglück in Chile im Fernsehen sah.

Willi mit seinem „Baby“, dem Rettungsroboter

Willi tüftelt gern weiter an seinem Roboter herum. Mit dessen Entwicklung hatte er bereits als Schüler begonnen, und schon während dieses Schulprojektes wurde Willi von HTWK-Robotik-Professor Detlef Riemer betreut. „Herr Zschiebsch hatte mich vor ein paar Jahren nach einem Vortrag über ‚Künstliche Muskeln und Roboterwürmer‘ im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften angesprochen. Es folgte ein kurzfristiger Termin, bei dem er mir seine Idee von Hundertfüßer für eine BELL (Besondere Lernleistung) am Ostwald-Gymnasium zum ersten Mal in einer kleinen Handskizze auf einem Notizzettel vorstellte. Im Rahmen seiner Entwicklungen arbeitete er sich anschließend erfolgreich in CAD, Konstruktion, 3D-Druck, Elektronik und Programmierung im Mechatroniklabor ein. Ausgewählte Vorlesungen besuchte er schon mal neben dem Abi.

Sein Laufroboter war sofort so erfolgreich, dass er bei ‚Jugend Forscht‘ 2015 für die Kategorie Technik den ersten Platz regional, den ersten Platz in Sachsen und einen Sonderpreis sogar im Bundeswettbewerb erhielt.

Keine Frage, dass Prof. Detlef Riemer Willi an die HTWK Leipzig holte. Hier kann er ihn bei seinen Forschungen am besten unterstützen, vor allem, da Willi Zschiebsch als studentische Hilfskraft bei ihm im Mechatronik- und Steuerungstechniklabor arbeitet. Aber Willi gibt sein Wissen auch weiter. „Bereits seit dem ersten Semester unterstützt er als Tutor andere Studierende in Mathematik und Physik und betreut jetzt sogar selbst BELL-Arbeiten seines ehemaligen Gymnasiums. Im Moment brennt er für ein – androides – Wesen in einer Kombination von Drohne und Hundertfüßer,  virtuell es bereits sehr gut funktioniert. Außerdem betreuen wir derzeit einen ehemaligen syrischen Flüchtling und Ingenieur im Rahmen eines Praktikums zu CAD und Roboteranwendungen“, so Prof. Riemer.

Ein gutes Team: Prof. Detlef Riemer unterstützt Willi bei der Arbeit am Roboter

Das Studium zeichnet sich für Willi vor allem dadurch aus, dass man sich mit vielen wissenschaftliche Gebieten wie Physik, Mathematik und Informatik oder Chemie beschäftigt und lernt, dass es „anscheinend für alles eine Norm“ gibt. „Für Maschinenbau habe ich mich entschieden, weil es für mich einen Ansatz verspricht, Roboter noch effizienter zu gestalten“, sagt Willi.

Der Hundertfüßer-Roboter könnte auch noch für andere Aufgaben eingesetzt werden, zum Beispiel für die Wartung großer Maschinen. Die Möglichkeiten seien nahezu unbegrenzt´, so Willi:

Das Prinzip des Hundertfüßers ist wegen der einzelnen beweglichen Bein-Segmente ideal für die Überwindung von verschiedenen Hindernissen wie engen Schluchten, Spalten, unebenem Gelände oder Stufen

„Entsprechend ausgestattet, kann der Roboter Filmaufnahmen machen oder kleinere Arbeiten verrichten. Hintereinandergeschaltet können mehrere Roboter sogar als Lieferkette fungieren.“ Der Roboter ist leicht, sehr flexibel, kann auf kleinem Raum verstaut werden und verbraucht wenig Energie. Seine Teile sind in Serie herstellbar und stammen größtenteils aus dem 3D-Drucker.

An der HTWK Leipzig gefällt Willi besonders der Umgang zwischen Studierenden und Lehrkräften. Die Offenheit und den Teamgeist auch unter seinen Kommilitonen schätzt er sehr. Sein persönlicher Lieblingsplatz: Das Robotik-Labor und das Dach des Nieper-Baus, wo die Fakultät ihren Sitz hat. „Die Aussicht von dort oben ist einfach jedes Mal schön“, sagt Willi.

Text: Jonas Nayda

Fotos: Kristina Denhof

weiterführende Links:

Beitrag von 2014 zu Willi’s Roboter bei XCAM – dem Wissensmagazin von floid – das Fernsehen der HTWK.

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