Prof. Christian Uhlig wurde im September 1992 als Gründungsprofessor für den Studiengang „Buchhandel/Verlagswirtschaft“ an die HTWK  berufen und dort 1997 emeritiert. Er hat uns folgende persönliche Anekdote aus der Gründungszeit der Hochschule zukommen lassen:

Von Prof. Christian Uhlig

Vor meiner Berufung nach Leipzig war ich als Akademischer Direktor an der Ruhr-Universität Bochum  tätig und wohnte in der Universitäts-Rahmenstadt in Bochum-Querenburg. Dort lebte auch Prof. Engelbert Plassmann. Er war mein Nachbar, wir waren Mitglieder verschiedener Kirchengemeinden und kreuzten  auch mal politisch die Klingen. Man begegnete sich gelegentlich – mit Respekt, das war’s. Wie erstaunt war ich jedoch, als ich zum ersten Berufungsgespräch nach Leipzig (übrigens meiner Heimatstadt) kam und dabei von meinem zukünftigen Dekan empfangen wurde: Engelbert Plassmann. Wie das Leben so spielt: Der Nachbar wird zum Kollegen in einer fernen Stadt. Wir waren platt!  Wir haben in den folgenden Aufbaujahren hervorragend zusammengearbeitet, er neben seinen Pflichten als Gründungsdekan vor allem auf die Bibliothekswissenschaften, ich auf Bucheinzelhandel und Verlagsbetrieb konzentriert. Wir galten spaßhaft als die „Bochumer Mafia“, waren aber eingebettet in eine hervorragende Kollegenschaft, die weitgehend aus den neuen Bundesländern stammte. Das Ost-West-Verhältnis lag etwa bei 12 : 4! Dagegen hatten wir in den Anfangssemestern eine Idealquote von fast 50 zu 50 West/Ost bei den Studierenden. Das forderte uns ganz schön heraus; denn die wollten alle was wissen – z. B. das Aktuellste über computergesteuerte Systeme usw. So hatten wir auf unserem „Kleincampus“ in der Bertolt-Brecht-Straße ein hervorragend ausgestattetes Computer-Kabinett und konnten eine Lehrbuchhandlung mit modernem Warenwirtschaftssystem einrichten. Engelbert Plassmann ging später nach Berlin, ich wurde emeritiert. Alles liegt Jahre zurück.

Was ist in 25 Jahren Tolles aus der HTWK geworden! Als Alt-Rektor Steinbock erstmals von seiner Vision eines Campus für alle an der Gustav-Freytag-Straße sprach, hielt man das für Traumtänzerei. Das Projekt ist wahr geworden. Chapeau!

Prof. Uhlig erhielt 2013 als Anerkennung seiner Verdienste um die ganzheitliche Ausbildung des Nachwuchses in der Buchbranche die „Goldene Nadel des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels“. Foto: Claus H. Setzer