Ingenieur Dietmar Telschow, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik, ist seit seiner Kindheit begeisterter Astronom. Hier erzählt er, was ihn am Weltall so fasziniert.

Nachdem ich Mitte der 70er Jahre das Studium der technischen Kybernetik und Elektrotechnik in der Vertiefungsrichtung Regelungstechnik/Automatisierungstechnik an der TH Magdeburg mit dem Diplom abgeschlossen hatte und danach beim Chemieanlagenbau in Leipzig (schon damals in Kooperation mit dem Industrie-Hochschulkomplex der TH Leipzig) tätig war, kam ich 1986 als Entwicklungsingenieur an die TH Leipzig. Hier, beziehungsweise an der 1992 neugegründeten HTWK Leipzig, bin ich seitdem als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der industriellen Forschung aktiv.

Dietmar Telschow

Gemeinsam mit einem Team habe ich Anfang der 90er Jahre den heutigen de-facto-Standard für die industrielle Feldkommunikation „AS-I“ mitentwickelt. AS-I sorgt zum Beispiel am Pekinger Flughafen dafür, dass das Gepäck automatisch von der Aufgabe zum Flugzeug gelangt.

Weil die Industrieanforderungen seither ständig wachsen, entwickeln wir diesen gemeinsam auch mit internationalen Partnern ständig weiter.

Dieser Weltstandard in der Automation konnte nur durch die engagierte, langjährige Zusammenarbeit in einem Entwickler-Team hervorgebracht werden und hat mich nachhaltig geprägt. Bis heute bestehen aus der Bearbeitung der inzwischen vielen Projekte zahlreiche Kontakte zu den Entwicklungsabteilungen führender Firmen in Deutschland und im Ausland, sowie zu den beteiligten Partnern in Universitäten und Hochschulen.

Neben dieser Forschung an der HTWK Leipzig beschäftige ich mich in meiner Freizeit seit langem mit der Fotografie. Sie ist mein Hobby. Bereits in meiner Schulzeit entstand daraus auch die Faszination für Astronomie, die damals noch Unterrichtsfach war. Mein erster Blick durch ein Teleskop – die Entdeckungen des Sternenhimmels in all seiner Vielfalt – begeisterte mich so nachhaltig, dass ich die Fotografie heute auch auf die Astronomie ausdehne, natürlich mit neuer Technik. Der Blick auf den Orionnebel – leider nur in Graustufen – oder die Ringe von Saturn war damals ein Erlebnis und ist es bis heute.

Abendstimmung

Heute lebt man das Hobby der Astronomie nicht mehr wie noch vor einigen Jahren indem man einfach durch ein Teleskop schaut. Auch hier haben Elektronik und Automatisierung Einzug gehalten, sodass sich mein Beruf und Hobby nun optimal ergänzen.

Obwohl moderne Teleskope auch beim Amateur vollautomatisch gesteuert werden, um die Erdrotation auszugleichen (also die Position am Himmel zu fixieren) und somit mittels besonders lichtempfindlicher CCD-Kameras den Sternenhimmel in phantastischen Fotos abzubilden, ist der Blick mit dem eigenen Auge durch das Teleskop nach wie vor faszinierend.

Mit den Jahren wird bei diesem Hobby natürlich der Wunsch nach entsprechendem Equipment immer stärker. Somit habe ich mir mehrere Geräte angeschafft, beginnend mit spezialisierten Teleskopen, einer Montierung mit elektrischer Nachführung, Okularen verschiedener Brennweiten, Filtern zur Darstellung unterschiedlicher Spektralbereiche und natürlich Fototechnik durch astrotauglich gekühlte CCD-Kameras.

Mit dieser Technik kann man nun in Fotos die Faszination des Nachthimmels in voller Pracht hervorbringen und damit unsere vergleichsweise schlechte menschliche Sehkraft in dieser Dunkelheit ausgleichen. Denn mit bloßem Auge sieht man häufig nur schwarz-weiße Abbildungen oder erkennt überhaupt nichts am Okular.

Ein äußerst seltenes Ereignis in der Astronomie ist ein Transit der Venus vor der Sonne. Diesen konnte ich am Morgen des 8. Juni 2004 optimal von Leipzig aus beobachten, siehe Foto Venustransit. Hier zeigt sich das Größenverhältnis zwischen unserer Sonne und der Venus, welche ca. 85% unserer Erde beträgt. Der nächste Transit findet erst wieder am 11. Dezember 2117 und, aus Europa beobachtbar, am 8. Dezember 2125 statt, den keiner von uns heute Lebenden mehr verfolgen können wird.

Venustransit 08.06.2004, Sonne im Weiß-Licht; der schwarze Punkt in der Mitte ist die Venus

Die Sonne ist hierbei im Weiß-Licht fotografiert, wozu neben einem Linsenteleskop (Refraktor) ein sog. Herschel-Prisma zur Lichtdämpfung benötigt wird. Neben der Betrachtung der Sonne im Weiß-Licht ist sowohl die visuelle als auch fotografische Beobachtung der Sonnenoberfläche in der sog. Halpha-Linie bei 656,3 nm (also im Rot-Licht) ein lohnendes Ziel, da die Änderungen von Protuberanzen (Ausbrüchen aus der Sonne) live in Minuten beobachtet werden können – anbei zwei Beispielfotos. Die hierfür notwendige Filtertechnik ist bereits sehr anspruchsvoll: Die Fotos entstehen durch Videoaufnahmen mittels spezieller Kamera und nachfolgender Bildbearbeitung. Die Bilder zeigen eine etwas bessere Darstellung als der visuelle Blick durch das Okular, können aber die schnellen Veränderungen auf der Sonnenoberfläche nicht einfangen – live ist eben live.

Sonnenoberfläche mit Protuberanzen im Halpha-Licht (653,6 nm) – Filterbandbreite von ca. 0,06 nm

Auch unser Mond ist eine lohnende Sehenswürdigkeit mit ständig wechselnden Motiven durch die veränderlichen Licht-Schattengrenzen, die insbesondere die Darstellung der Krater hervorbringt (Konturen von wenigen bis über 100 Kilometer Durchmesser) – auf dem Mond gibt es aber auch Berge von mehr als 3000 Metern Höhe.

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Aber nicht nur in „unmittelbarer“ Umgebung der Erde und der Planeten unseres Sonnensystems wird man fündig – auch über große Entfernungen erschließt sich der Nachthimmel in einer Vielfalt, die mich immer wieder begeistert.

Hierzu noch ein Beispiel, wie man den erwähnten Orion-Nebel visuell wahrnimmt – ohne Farbe, also nur in Grauabstufungen – und was heute als Amateur mit der verfügbaren CCD-Technik inklusive Bildbearbeitung möglich ist.

Orion-Nebel – visueller Eindruck im Okular

Orion-Nebel – Darstellung nach Langzeitbelichtung in verschiedenen Spektralbereichen und nachfolgender Bildbearbeitung

Text und Fotos: Dietmar Telschow